Heilpädagogisches Jugendhilfezentrum
der Ev.-luth. Kinderfreund- gesellschaft e.V.
Hilfen nach §27/37/34/41/35a
SGB VIII,
§ 39/40 BSHG
Nach alten Chroniken ging im Jahre 1382 das Dorf Bilfingen in den Besitz der Abtei Frauenalb über, damit auch das Gebiet auf dem der jetzige Sperlingshof steht. Schriftliche Berichte einer Gräfin von Eberstein, Conventfrau in Frauenalb, belegen, dass Markgraf Karl um das Jahr 1460 dortselbst,(d.h. ganz in unserer Nähe), ein Kloster mit Wallfahrtskirche unter dem Namen "Unser lieben Frauen zur Aich" errichten lies. Die Bewohner waren Kapuzinermönche.
Im Jahre 1510 soll der Markgraf Christoph der Wallfahrtskirche zwei Altäre zu Ehren des hl. Franziskus und der hl. Margarethe gestiftet haben.
Direkt am Weg zum Kloster, wo die Ländereien von Bilfingen, Ersingen und Wilferdingen zusammenstoßen, standen drei Galgen. Über diese Hochgerichte ist zu lesen: "Als aber derselbigen Zeit Gottesdienst, Kirchenzier,Messhalten und predigen daselbst zur Aich ins Werk kommen und von vielen Gläubigen ingeredt wurde, daß Kirche und Galgen so nahenand beieinander nicht stehen sollten, und man selbiger Zeit noch ganz Katholisch und der alten Religion gewesen, hat man sich änders bedacht und das Hochgericht hinauf auf den Elmen verändert". (der heutige Ort Ellmendingen).
Einige Sagen und Erzählungen erinnern an die Kapuzinermönche: Da ist von jenem Silberglöckchen die Rede, welches die Mönche im tiefen Brunnen' des Klosters versenkten, um es vor dem herannahenden Feind in Sicherheit zu bringen. Diese Glocke soll noch heute auf dem Grund des Brunnens liegen.
So schnell und unvermittelt wie das Kloster "Maria zur Aich" aus dem Dunkel der Geschichte aufgetaucht war, ging es unter, wurde aufgegeben und zerfiel nachdem im Jahre 1555 der Augsburger Religionsfriede geschlossen wurde und sich Markgraf Carl II. mit seinen Untertanen dem Lutheri'schen Glauben anschloss. In Kriegen und Katastrophen verschwand das Kloster bald ganz, auch in der Erinnerung der Menschen.
Fast zwei Jahrhunderte später, 1737, berichtete das damalige Oberamt Pforzheim, dass die Äbtissin von Frauenalb, Gertrud von Ichtersheim durch ihren Ersinger Beamten Albert Sperl an der Landstraße zwischen Wilferdingen und Pforzheim einen landwirtschaftlichen Bau errichten wolle. Es wurde die Befürchtung laut, dass dieser Bau sicher ein "Unterschleif" (Unterschlupf) für allerhand "liederliches Gesindel" abgeben würde. Also wurde schon vor Beginn der Bauarbeiten ein warnendes "Sich-Dich für" erhoben. Das Oberamt Pforzheim versuchte weiterhin den Bau zu hintertreiben. Es befürchtet ' e eine Gefährdung der Landstraße durch ungezügelten Weinausschank und Versteck für Räuber und Wilderer, deren es damals mehr als genug gab. Das markgräfliche Kollegium in Durlach genehmigte schließlich doch den Bau, verbot aber den Untertanen aus Pforzheim und Stein den Besuch des Gasthauses auf dem ~Sperlshof bei 10 Reichstalern Strafe. So konnte der Bau fertiggestellt werden. Über der Kellertüre i s t noch heute die Jahreszahl 1737 zu lesen.
Später wollte die Regierung den Hof niederreißen lassen, weil sich der Wirt selber an Räubereien beteiligt hatte. Dazu kam es aber nicht, jedoch wurden alle Weinbestände beschlagnahmt. Der Pächter des Hofes erhielt die Auflage, binnen drei Wochen das "Frauenalbische" zu verlassen, anderenfalls man ihn mit Sack und Pack hinauswerfen würde. Auf diese rigorosen Maßnahmen hin, konnte der Abriss des Hofes verhindert werden. Der Name "Sich-Dich-Für" hat sich für den Sperlingshof bis in die jüngste Vergangenheit erhalten.
1) Es vergingen wieder fast zwei Jahrhunderte, als im Mai 1921 von der damaligen "Ev.-Luth. Freikirche" eine "Kinderfreundgesellschaft" gegründet wurde. Diese konnte den ehemaligen "Sperlhof" erwerben, ihn vollständig renovieren und ausbauen.
2) Bereits ein Jahr später wurde die erste' diakonische Einrichtung unserer Kirche unter dem Namen "Waisenheim Sperlingshof" eröffnet.
2a) Unter der Leitung von drei Diakonissen konnten schon bald 38 Kinder aufgenommen werden.
3) Es war anfangs selbstverständlich, dass die Kinder bei der Selbstversorgung in Haus und Garten helfen mussten.
4) Dazu gehörte auch die Eigenanfertigung und Reparatur der notwendigen Kleidung.
5) In schweren Notzeiten kann das Waisenheim ohne jegliche Hilfe von außen nur durch die Opferbereitschaft unserer lutherischen Gemeinden überleben.
6) Durch eine Luftaufnahme im Sommer 1986 wurden die Grundmauern des vergessenen Klosters gleich hinter dem Sperlingshof wiederentdeckt. Der bei der Trockenheit magere Bewuchs läßt die Umrisse der Gebäude klar erkennen. Auch wird der sagenumwobene Brunnen innerhalb der Wallfahrtskirche bei Probegrabungen gefunden.
7) Als es im "Alten Sperlingshof" zu eng wird, entsteht im Jahre 1959 als erster Neubau das "Haus Ottilie". Neben Wohnraum für die Kinder und Mitarbeiter wird im hinteren Teil ein Kindergarten eingerichtet.
8) Nach neuen Konzepten der Jugendhilfe sollen die Kinder in Familiengruppen unter fachlich qualifizierter Betreuung wohnen. Dafür wurden unter großen Opfern in den Jahren 1971 - 1974 fünf Gruppenhäuser gebaut, in denen auch jeweils eine Betreuerwohnung vorgesehen wurde. Aus dem ehemaligen Waisenhaus ist jetzt das "Kinder-und Jugendheim Sperlingshof" geworden. Auch ein neues Verwaltungsgebäude musste in dieser Zeit gebaut werden, in dem entsprechende Büroräume, ein Speisesaal, eine Großküche, Werkstatt, Zentralheizung, Garagen und Wohnraum für Praktikanten eingerichtet wurden.
9) Inzwischen gibt es keine MitarbeiterInnen mehr, die noch auf dem Gelände wohnen. Die zentrale Großküche wurde aufgelöst. Jede Wohngruppe hat nun ihre eigene Hauswirtschafterin, die in der Gruppe kocht und für Sauberkeit sorgt. Die Räumlichkeiten der Großküche wurden umgebaut, so dass wir seit 2001in Kooperation mit dem Hohberghaus Bretten 3 ausgelagerte Klassen der Schule für Erziehungshilfe bei uns auf dem Gelände haben und 12 bis 18 Schüler hier beschult werden können. Neben dem großen Schwerpunkt der schulischen Integration gibt es inzwischen einen therapeutischen Fachdienst der Einzeltherapieplätze für die Kinder anbietet.